Im Juli 2017 lieferte PIKO eine Neukonstruktion der 1951er Leichtschnellzugwagen der Deutschen Bundesbahn in der Ausführung Ep. IVa aus. Neben den reinen Sitzwagen Byl und AByl erschien erstmals auch der Steuerwagen ohne Gepäckabteil Bylf. Den Steuerwagen mit Gepäckabteil BDylf, den reinen 1. Klasse-Wagen Ayl und den Halbspeisewagen BRyl liefert Piko derzeit nicht. Ab Oktober 2018 sind Versionen in Ep. IIIb ausgeliefert, leider nicht im korrekten Grünton, da PIKO sich weigert, DB-Ep. IIIb-Modelle in RAL6007 anzubieten. Auch der 1.-Klasse-Streifen ist fälschlich gelb werden und die Anschriften nur für 1966 passend, das Untersuchungsdatum aber in 1962. Die Lichtmaschine dürfte für diese Einsatzzeit abwegig sein.

PIKO Bylf
PIKO B4ymf mit vorbildgenauer Türunterkante. Bei der Lichtmaschine am Führungsdrehgestell habe ich ebenfalls so meine Bedenken. Regenrinnen an den Fenstern fehlen. Bis auf die Anschriften ist das Ep. IV-Modell identisch.

Inzwischen habe ich das PIKO-Ep. IIIb-Modell ausgepackt und kommentiert.

C4ymg51-Wagen 40031Ksl in München Hbf 1953, Foto: Joachim Claus, Bildlink: eisenbahnstiftung.de
C4ymg51-Wagen 40031Ksl noch ohne Fahrpult in München Hbf 1953, Foto: Joachim Claus, Bildlink: eisenbahnstiftung.de

Byl und AByl waren einst als Bausatz und Fertigmodell mit beweglichen Übersetzfenstern bei ADE im Angebot, AByl, Byl, BRyl und BDyl lieferte ROCO in den Ep. IIIb bis IVb, CR4ymg auch Ep. IIIa.

Roco BD4ymgf
Roco BD4ymgf
BPw4ygf54 Nr. 99151 Hmb in Hamburg-Altona 9.1959, Foto: Reinhard Todt Bildlink: eisenbahnstiftung.de
BPw4ygf54 Nr. 99151 Hmb in Hamburg-Altona mit Riemenlichtmaschine und Dreiklanghorn
Aunahme: 9.1959, Foto: Reinhard Todt Bildlink: eisenbahnstiftung.de

Die ROCO-Modelle wurden mehrfach leicht überarbeitet, sind sehr detailliert. Schwächen sind vor allem die Abmessungen der Fenster, die Ausrundungen von Fenster und Türen, die fehlenden äusseren Rahmen der nur als eine Ebene dargestellten Übersetzfenster und die Lage der unteren Spitzensignale. Auch die Dachenden waren nicht völlig stimmig. Anfänglich wurden einteilige Drehgestelle ohne Ansatzteile verbaut.Das Dach ist völlig glatt, dunkelgrau statt weissaluminium mit maßstäblichen Lüftern und 3-Klang-Horn. Die Anschriften sind nicht größenrichtig.

Die Inneneinrichtung ist zweifarbig durch einzeln eingesetzte Sitzbänke. Es gab eine 8-Punkt-Stromabnahme und wechselndes Spitzen- und Schlußlicht durch Diodensteuerung.

PIKO muss sich an diesen Wagen messen. Inzwischen liegt mir das PIKO-Modell in Ep. III vor und wird nochmal individuell betrachtet und auch mit Dekoder ausgestattet.

In der Detaillierung mit feinen, angesetzten Griffstangen ist der Wagen auf dem Stand der Zeit. Im Gegnsatz zum ROCO-Modell hat PIKO auch die äußeren Fensterrahmen mit allerdings hochglänzendem Metall auf geformten Rahmen bedampft dargestellt. Das sieht brauchbar aus, verhindert aber jede Umlackierung.

PIKO Fenster Leichtschnellzugwagen DB Ep. IVa und ein originales Fenster
PIKO Fenster Leichtschnellzugwagen DB Ep. IVa und ein originales Fenster

Oben im Bild habe ich ein in der Größe angepasstes Originalfenster des im Berliner MVT stehenden BRyl eingefügt. Bei Aufarbeitungen ab der Ep. IVa wurden die Fensterrahmen nicht mehr eloxiert, so dass mit der Zeit nur noch Alu-farbene Rahmen auftraten. Regenrinnen an der Dachunterkante hatten diese Wagen nie Dafür aber bis in die 80er Regenrinnen an der Oberkante der Fensterahmen. In den 70ern brachte die DB Gummileisten über den Einstiegstüren an, um den Wasserablauf des Daches über den einstiegen abzulenken.

Das Dach des PIKO-Wagens ist, wie bei diesem Hersteller schon Tradition, überaus zerklüftet, wenn auch nicht mehr so krass wie bei den Silberlingen. Dennoch rate ich, diese überzogene Detaillierung zukünftig zu überdenken, denn zumindest die merkwürdigen Trennstege zwischen den Dachelementen sind ohne Vorbild, die Dachnieten viel zu groß, die Regenrinen an der Unterkante vorbildlos. Ein glattes, weil verdrecktes Dach wirkt da glaubhafter. Auch die Nachbildung der Dachniete war nur im Neuzustand zu erkennen.

Erstmalig hat PIKO bei den Mitteleinstiegswagen die tiefere Lage der Mitteltür-Unterkanten nachgebildet.

Die Inneinrichtung ist einteilig, sehr einfach und bedarf der farblichen Überarbeitung und ist ggf. auch mit Details wie Gepäckhalterungen zu optimieren.

Die Sitzfarbe war tannengrün in der 3. bzw. Klasse und graugestreift in der 2. bzw. dann 1. Wagenklasse. Die rotbraunen Sitzpolster der Silberlinge wurden erst in de 80ern gelegentlich eingebaut. Die Wandfarbe der 1. Kasse war mittelbraunes Holzlaminat, in der 2. Klasse hellbeiges Resopal. Ab Mitte der 70er wurden die Einstiegstüren auf der Innenseite in kräftigem Orange lackiert.

Interessant ist auch die für den Konstrukteur sehr herausfordernde Gestaltung des Wagenkopfes.

Die 1951er Steuerwagen, damals C4ymgf und CPw4ymgf, hatten als stylistisches Merkmal die unteren Spitzenlichter soweit nach außen gesetzt, dass sie bündig mit der Aussenlinie des Wagenkastens abschlossen und deshalb in der Eckrundung in einer Tülle herausgeführt werden musste - ähnlich wie auch bei der E 10 001.

ROCO Front Leichtschnellzugsteuerwagen
ROCO Front Leichtschnellzugsteuerwagen BPw4ymgf
PIKO Front Leichtschnellzugsteuerwagen
PIKO Front Leichtschnellzugsteuerwagen B4ymf

ROCO hatte dies seinerzeit aus konstruktiven Gründen unterlassen, da die langen Plexi-Lichtleiter dies nicht möglich machten. Mit modernen Kleinst-LED hätte man dieses Ziel doch vielleicht erreichen können, aber PIKO hat auch gekniffen und dem Wagen die Bauart der 54er CPw4ymgf ankonstruiert, wo die Lichter etwas weiter innen liegen, aber doch nicht so weit wie bei ROCO. Diese Situation gab es bei den gepäckraumlosen Steuerwagen jedoch nicht. Dafür hatten sie recht unterschiedliche Abmessungen des oberen Spitzensignals, bis hin zum US-typischen Scheinwerfer (wie auch der Post4ümf 6000).

Beide Wagen haben zu weit nach innen liegende Steuerstand-Fenster, bei PIKO sind die Schlülichter zu groß und zu weit innen angeordnet, was durch den schmalen Gummiwulst nicht so auffällt.

C4ymgf-51 Nr. 40 012 Ffm Pendelzug Verkehrsaustellung München 1953 (Pressefoto Deutsche Bundesbahn)
C4ymgf-51 Nr. 40 012 Ffm Pendelzug Verkehrsaustellung München 1953 (Pressefoto Deutsche Bundesbahn)

Um 1970 wurden die vorderen Gummiwulste der Steuerwagen der vereinfachten Bauart der BDnf angepasst. Die Abdeckungen der E-Kupplung entfielen ganz oder wurden gekürzt (wie von PIKO dargestellt).

Bei Neulackierungen ab 1962 wurde ein hellerer grünton (RAL6020) statt RAL6007 verwendet. Zu dieser Zeit wechselte man die an jedem Drehgestell mit Riemenantrieb angebrachten Drehgestelle auf eine gemeinsame Radnabenabtriebsanlage an nur einem Drehgestell (PIKO). Kardanlichtmaschinen (ROCO) gab es bei diesem Typ nicht.

Wer also das aktuelle PIKO-Epoche-IIIb- oder IVa-Modell auf Epoche IIIa oder IIIb umbauen will, sieht sich erheblichen Herausforderungen gegenüber. Die Beschriftung allerdings kann man einfach über Gassner beziehen.

Ein Modell in Ep. IVb in ozeanblau-beiger Lackierung der Deutschen Bundesbahn wird PIKO sicher noch anbieten, vielleicht auch des Museumswagens der BFS?

Viele dieser Steuerwagen sind anfänglich und auch später als normale Reisezugwagen gelaufen. Da gab es etliche Varianten der Umgestaltung der Wagenköpfe.

Ein sehr interessanter Foto-Vergleich aus berufener Hand zwischen ADE, ROCO- und PIKO-Modlelen findet sich im Forum "Drehscheibe-Online".

Stand 31.10.2018 Wird fortgesetzt auf Ausgepackt

   
© Will Berghoff 2013
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