DSG-Speisewagen WR4üge 39

Liliput WR4üge39 1146 (DB-Museum)

Geschichte des Vorbildes:

Ab 1938 bestellte die MITROPA AG in 3 Lieferserien eine dritte Bauausführung des 42-plätzigen WUMAG-Standardspeisewagens mit insgesamt 110 Stück (1148-1257) bei LHB/Breslau und WUMAG/Görlitz, die an die neu in Dienst gehenden stromlinienförmigen Schnellzugwagen äusserlich angepasst wurden und mit 53,2t wieder etwas schwerer waren. Die Innenraumaufteilung und technische Ausstattung entsprach den Wagen der Bauart 1935 (1088-1147). Kriegsbedingt wurden nicht mehr alle bestellten Fahrzeuge geliefert, ab 1942 gebaute Wagen (1224 bis 1230) gingen ohne Inneneinrichtung direkt an die Reichspost und wurden zu fahrbaren schweren Funkfeuern umgebaut. 8 Wagenkästen wurden in RAW eingelagert, die MITROPA(Ost) baute daraus die Wagen 1226'' und 1227'' neu auf. Die Wagen 1239 bis 1258 wurden nicht mehr gebaut. Zur Realisierung des 26,0 m langen Speisewagens kam es nicht mehr.

Nach 1945 fanden die in den 3 westlichen Besatzungszonen verbliebenen, zum Teil schwer zerstörten und leeren Fahrzeuge nach Reparaturarbeiten Verwendung in den Militärzügen der Besatzungstruppen.

Nach Freigabe der Wagen durch die Aliierten wurden die Wagen der 1949 gegründeten "Deutschen Schlafwagen- und Speisewagen-Gesellschaft m.b.H" (DSG) übergeben. Diese ließ die Wagen der Bauart 1939 zwischen 1958 und 1961 technisch überholen und an die Erfordernisse des modernisierten Betriebes anpassen. Hierzu gehörte 1958 der Einbau von Gummiwulstübergängen anstelle der Faltenbälge an den Wagenenden (auch bei der Bauart 1935), der Einbau eines Ölherdes und einer Ölheizung mit einer Klimaanlage (Bauart KLIMADEÖ) zum Betrieb während Standzeiten analog zu den Neubau-Schlaf- und Liegewagen ab 1959. Zur Verbesserung der Laufruhe erhielten die Wagen 1146 II, 1150, 1152 und 1157 nach 1965 Drehgestelle der Bauart "Minden-Deutz" statt der bisher verwendeten Bauart "Görlitz III schwer mit 4. Federung". Die Wagen 1159, 1177, 1189, 1190 und 1215 II waren bereits 1958 damit ausgestattet worden. Zudem wurde der Wagenkasten in RAL 3004 (Purpurrot) statt des traditionellen RAL 3005 (Weinrot) der MITROPA und des später verwendeten RAL 3003 (Rubinrot) lackiert. Nach der Übernahme der Wagen in das Eigentum der DB per 1.1.1966 wurden die Wagen durch Einfügen einer "0" nach der ersten Ziffer der Wagennumer auf das 5-stelligen Nummernschema der DB gebracht. Zeitgleich entfielen mit der Beschriftung nach UIC-Standard ab 1968 (51 80 88-40 ...) die gelben Streifen und Aufschriften sowie das DSG-Signet und die typische Schrift. Für den Einsatz als Ersatzwagen im IC160-Verkehr wurden einige Wagen 1970 noch für eine Höchstgeschindigkeit von 160km/h ertüchtigt (51 80 88-86 ...) und auch noch für 3.000V eingerichtet (51 80 88-80 ...)

Innenansicht WR 1219 um 1970 (DB Werbeamt)
DSG 10203, der einzige Wagen mit gelb-schwarz gestreiften Plastiksitzbezügen (DB Werbeamt 1970)

Fünf Wagen ( DB-Nr. 10157, 10160, 10173, 10187 und 10219) wurden noch im Rahmen des Farbversuchsprogrammes 1970 ("POP-Farben") umlackiert, acht Wagen (DB-Nr. 10146, 10176, 10179, 10201, 10203, 10216, 10218 und 10223) wurden gar 1974 noch ozeanblau/beige lackiert. Der Wagen 1189 erhielt später als in Frankfurt/M. Hbf fest stehender Trainingswagen die TEE-Lackierung und sogar noch die IC-Lackierung orientrot/flieder/weiss.

Die Fahrzeuge dieser Bauart bildeten lange das Rückgrat der Speisewagendienste in hochwertigen Fernzügen des nationalen und internationalen Verkehrs. Ab 1971 wurden die Wagen allmählich durch WRmh/WRmz verdrängt und bis 1984 ausgemustert.

Int. Schnellzug (Skandinavien-Italien) mit E 10 277 und klimatisiertem DSG-WR4üge bei Ippensen nahe Kreiensen. (07.1963) Foto: Robin Fell Bildlink: Eisenbahnstiftung
Int. Schnellzug (Skandinavien-Italien) mit E 10 277 und klimatisiertem DSG-WR4üge bei Ippensen nahe Kreiensen. (07.1963) Foto: Robin Fell Bildlink: Eisenbahnstiftung

 

Einige Wagen sind erhalten geblieben:

  • DSG 1146'' (exMITROPA 1154,DB-Museum Nürnberg)
  • DSG 1189 (DB Frankfurt/M., stationär)
  • MITROPA 1204 (Ersatzteilspender)
  • DSG 1218 (Hafenbetriebe Krefeld)
  • DSG 1220 (IGE Bahntouristik Hersbruck).

Aus Salonwagen der ehemaligen Reichsregierung umgebaut wurden die äusserlich ähnlichen Einzelstücke WR4ü-37/51 DSG 1226''' ( ex-SalonR4ü-37 Nr. 10243, heute in Österreich) und der auffällige WR6ü- 40/51 DSG 1227''' (ex-SalonWR6üe-40 Nr. 10245, ursprünglich 71,5t-Salonwagen Bauj. 1940, ein Regierungsgeschenk an Benito Mussolini/Wegmann & Co./Kassel, im BW Gelsenkirchen-Bismarck 1980 abgebrannt). Die Wagennummern 1230 bis 1232 und 1233 bis 1239 wurden durch die DSG mit aus ehemaligen "Rheingold 1928"-Salonwagen umgebauten Speisewagen neu belegt.

Auflistung der gebauten Wagen mit ihrem Verbleib nach 1945

Quellen:

Hanke, Heinrich: http://www.heinrich-hanke.de/eisenbahn/reisezuege/index.htm

Geschichte des DSG-Wagens 1189: http://www.wagenfreunde.de/mitropa.html

Liste der Wagen in POP-Farben: http://www.bahnstatistik.de/Popfarben.htm

Dost, Paul: Der rote Teppich, Wien 1965 (Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart)

Brandt, Walter: Schlaf- und Speisewagen der Eisenbahn Franckh, Stuttgart 1968

75 Jahre Mitropa, Sonderheft des Eisenbahnjournal, Merker Verlag 1992

DSG-Wagenverzeichnis 1964 und 1968

   
© Will Berghoff 2013
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